Ein Covid’sches Jahr

Viele herausfordernde Situationen, Lebensphasen und Jahre habe ich bereits erlebt. An 2013 zum Beispiel bin ich in besonderer Art und Weise gewachsen. Meine Mutter verstarb am 04.01.2013 an Krebs, nach – wie im Flug vergehenden – neun Monaten Hoffnungskampf. Sie wurde gerade einmal 49 Jahre alt. Dass sie ihren 50. Geburtstag bereits 2 Jahre im Voraus plante, möchte ich nicht unerwähnt lassen.

Je älter ich seither werde, umso mehr begreife ich, wie verdammt früh meine Mutter aus ihrem, meinem, unseren Leben gerissen wurde. Mich trennen keine 10 Jahre mehr von ihrem Abschiedsalter.

Ob mich das geprägt hat? JA! Ich war vorher schon ein Freak, der in besonderer Weise im Hier und Jetzt lebte. Mittlerweile erkenne ich, dass ich seit 2013 immer intensiver lebe – und kompromissloser werde. Ein Teil von mir lebt und liebt, als hätte ich nur noch ein paar Jahre. Und die will ich genießen, egal was um mich herum geschieht. Und alles mir Mögliche tue ich dafür, mein Leben aktiv und eigeninitiativ schön zu gestalten.

Das spiegelt sich in vielen Dingen wider. Zum Beispiel in meinem Beziehungsleben. Noch im Jahr 2013 verließ ich meinen Partner, Freund und Vater meines Sohnes. Das war die schwerste Entscheidung, an die ich mich seither erinnern kann. Die ich in keinster Weise easy-going getroffen habe. Ein jahrelanger Kampf, Hoffen, daran Arbeiten lag bereits hinter mir und uns. Seither blicke ich auf ein mittelschweres Beziehungschaos zurück. Eine Enttäuschung folgte der Nächsten. Hätte ich an der ein oder anderen Stelle länger kämpfen müssen? Vielleicht. Aber wie gesagt, ich bin kompromissloser geworden.

Auch das aktuelle Covid’sche Jahr („2020“, das schreit doch irgendwie schon nach Fiktion a la Hollywood) startete Hoffnung vortäuschend harmlos, ehrlich gesagt sogar schön. Doch wenn ich es auch nur im Ansatz wage mich zu entspannen, kommt es knüppeldicke. Meinen Job habe ich gekündigt um auf Reisen zu gehen und eine Pandemie zieht für mich die Handbremse. Parallel entpuppt sich wieder eine Beziehung als ins Nichts führend und mich unglücklich werden lassend. Auch vorbei.

Ich würde niemals behaupten, dass ich in diesem Jahr nichts Schönes erlebt hätte. Ganz im Gegenteil… Ich bin, nach wie vor, dankbar für so unfassbar viele Momente, Menschen, Berührungen… Dankbar für – mich am Leben haltende – Beziehungen, die sich kostbar, in die Tiefe und ins Herz gehend, entwickelt haben. Dank eines traumhaften Frühlings- und Sommerwetters draußen SEIN. Dankbar füreinander DAsein!

Ähnlich wie das Jahr 2013 macht mich 2020 demütig. Und noch kompromissloser. Mehr denn je weiß ich, was ich wirklich will und wen ich wirklich brauche. Mehr denn je habe ich gelernt auch mal NEIN zu sagen. Insofern werde ich, wieder noch gestärkter, von einem Jahr Abschied nehmen und mich hoffnungsvoll und mit Zielen bepackt in das Kommende wagen. Und ich bereue nichts; gibt es ein besseres Gefühl? Liebend, lebend und gestärkt werde ich in das nächste Jahr gehen. Und dabei NICHT alleine sein. Das ist das Schönste an diesem Jahr.

Wenn ich aus meinem Mikrokosmus hinaus blicke frage ich mich, wie es dir und euch mit diesem Jahr geht. Was ziehst du daraus? Wie wird es uns alle verändern? Wird alles wieder Normal? Wer definiert was NORMAL ist? Gibt es ab 2021 eine neue Normalität? Oder hat die Veränderung bereits begonnen?

Nachdenkliche und hoffnungsvolle Grüße

Michaela

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