Safety First

Immer wieder frage ich mich, warum ich diesen Blog so gerne schreibe. Und warum es Phasen gibt, in denen mir nicht danach ist irgendetwas schriftlich festzuhalten. Gleichzeitig beobachte und lese ich Blogs, die deutlich regelmäßiger, nahezu täglich mit Leben gefüllt werden. In solchen Fällen wirkt es häufig wie eine unzensierte Momentaufnahme, wie ein digitales Tagebuch. Ich hingegen schreibe nur wenn ich mich glücklich, stabil und sicher fühle und diese positiven Gefühle transportieren kann. Solche Momente gab es die letzten Wochen selten. Und erst wenn ich verstehe, was mich traurig, besorgt, rastlos und verunsichert stimmt, fange ich wieder an meine Gedanken zu einem neuen Blogeintrag zu sammeln. Wie ein Fazit, oder ein gedanklicher Durchbruch, der festgehalten werden möchte. Anders ausgedrückt könnte ich auch sagen, dass ich mich stark schreibe. Kein „Liebes Tagebuch, heute geht es mir wirklich dreckig, weil…“. In diesem Blog halte ich nur fest, was ich gelernt habe. Ich nutze das Schreiben wie einen nachträglichen Sicherheitsanker.

Die Sicherheit in der Unsicherheit zu finden – das fördert die Kreativität.

Corny Littmann
Rettungsring – Düsseldorf

Retrospektive

Gestern vor einem Jahr habe ich mich für ein paar Wochen von meinen Liebsten verabschiedet. Heute vor einem Jahr saß ich in Sanremo am Meer. Ich weiß noch ganz genau wie es sich anfühlte… Der schier endlose Blick bis zum Horizont, Freiheit wohin das Auge reichte. Ungewissheit, was die nächsten Wochen und Momente bringen werden, erfüllte mich. Ich empfand die vermeintliche Ungewissheit jedoch als Freiheit. Alles war offen. Ein Neubeginn.

Genau ein Jahr später sehne ich mich, mehr denn je, nach Sicherheit. Das ist mir die letzten Wochen schmerzlich bewusst geworden, sowohl in privater, als auch beruflicher Hinsicht. Ich habe das vergangene Jahr und die darin verborgene Ungewissheit wirklich genossen. Nicht zu wissen was die kommenden Tage, Wochen und Monate geschieht – ich empfand dies als große Freude, als regelrechtes Privileg.

Heute wünschte ich, man könne in eine Kugel schauen und sehen, was die kommenden Wochen und Monate geschieht.

Ich weiß nicht was auf mich und uns zukommt, aber ich habe ein paar Wünsche…

Friedensplätzchen – Düsseldorf

Ich wünsche mir Auferstehung

Ja ich weiß, jetzt denkst du ich sei endgültig durchgeknallt. Da wünscht die Verrückte sich Auferstehung zum Weihnachtsfest.

Wie für jeden Durchschnittschristen gehören Weihnachten und Ostern für mich zu den wichtigsten christlichen Festen. Jedoch kam ich mit der Osterbotschaft unglaublich viele Jahre lang nicht zurecht. Auferstehung von den Toten. Ist klar. Mittlerweile ist Ostern jedoch das wichtigste Fest für mich, mit der wunderbarsten Botschaft verknüpft, die ich mir wünschen kann. Im Laufe der letzten Jahre habe ich nicht nur Schönes erlebt. Aber ich bin tatsächlich aus jeder noch so schweren Phase gestärkt hervorgegangen. Und genau das verstehe ich unter dem Begriff Auferstehung. Veränderung. Neubeginn. Etwas Neues und Stärkeres entsteht.

Dieses Jahr ist Ostern im wahrsten Sinne ausgefallen. Ich versuchte dies zu kompensieren, indem ich auf Sylvester hinfieberte. Verbunden mit der Hoffnung, dass man sich erleichtert von 2020 verabschieden kann. Jedoch sehe ich die gewünschten Veränderungen zum Jahreswechsel noch nicht. Daher nehme ich diesen Wunsch mit ins Neue Jahr.

Ich wünsche mir Gesundheit für meine Liebsten

Ich lebe immer in dem Bewusstsein, dass niemand unsterblich ist. Auch ich bin es (Gott sei Dank) nicht, daher lebe ich so intensiv und genieße so unfassbar viele, kleine, kostbare Momente. Aber in keinem Jahr zuvor wurde ich so sehr mit dem Thema Krankheit und Sterben konfrontiert. Im Großen und Ganzen gelingt es mir wirklich gut damit umzugehen. Jedoch spüre ich gleichzeitig, was die diesjährige Situation – und die damit verbundene unfassbare Krisenkommunikation – mit meinem Unterbewusstsein veranstaltet. Noch nie musste ich auf so viele unruhige und teils schlaflose Nächte zurückblicken.

Ich habe keine Angst davor zu erkranken. Aber ich spüre Verlustängste, die ich in dieser Form nicht von mir kenne. Jetzt, da ich verstehe woher sie kommen, kann ich damit umgehen. Ich hasse den Spruch „Bleib gesund!“. Aber bitte, bleib gesund.

Ich wünsche mir …

… zu Tanzen … ausgelassen zu feiern … wieder zu drücken und zu knuddeln … social closeness … ein Maximum an sozialen Kontakten … im Chor Singen … wieder arbeiten gehen … das Lächeln des Anderen sehen können … nicht mehr beobachtet fühlen … Maßnahmen weg … weniger Existenzängste in meinem Umfeld … Kunst … Kultur … Konzerte … mehr Demut … mehr Dankbarkeit für alles was ich habe.

Ich würde mir wünschen das sich Corona in Luft auflöst.

P. aus W.

….dass meine familiäre Situation für immer so bleibt, wie sie gerade ist.

S. aus D.

… wieder Reisen können.

J. aus D.

Dass wir alle gesund durch den Winter kommen.

K. aus D.

Meine Freunde wieder herzlich in den Arm nehmen zu dürfen und ausgiebig zu knuddeln.

S. aus D.

Corona weg, für immer. Und ganz viiieeelll Liebe….

S. aus D.
Liebe – Sicherheit – Heimathafen

Auch wenn der Blick in die nahe Zukunft noch viele Fragezeichen aufwirft, bin ich sehr dankbar für unglaublich viele wunderbare Momente und Begegnungen in diesem Jahr. Ich dachte mein Fernweh zu stillen wäre etwas, das ich brauche. Jedoch habe ich alles was ich brauche und wirklich liebe hier – Zuhause. Das ist mein Fazit aus 2020.

Die Sicherheit in der Unsicherheit zu finden – das fördert Stärke und Zufriedenheit.

Michaela W. aus D.

Normalerweise singe ich in einem Düsseldorfer Gospel-Chor. Am heutigen 2. Weihnachtstag geben wir traditionell ein – für meinen Geschmack – großes Konzert. Daher möchte ich einen Song verknüpfen, mit dem ich meine Gospelfreunde grüße. Ich freue mich unglaublich auf euch!

10 Kommentare

  1. In ganz vielen deiner Gedanken finde ich mich wieder. Ganz besonders hier: „Die Sicherheit in der Unsicherheit zu finden – das fördert Stärke und Zufriedenheit.“
    Das Jahr 2020 hat das unbestritten nicht nur gefordert, sondern auch gefördert.
    Ich wünsche dir für das kommende Jahr viel Sicherheit, Zufriedenheit und Glück…🍀
    Liebe Grüße Bea

    Gefällt 1 Person

  2. Corona hat uns an der empfindlichsten Stelle getroffen, bei unserem Bedürfnis nach Nähe, Sicherheit und Freiheit. Obwohl ich mir das Virus auch wegwünsche, scheint es eine Botschaft für uns zu haben. Wir müssen umdenken und Werte wie Freiheit und Sicherheit bekommen einen neuen Stellenwert. Nähe und Liebe hoffentlich auch! Wie wertvoll ist alles doch, was immer so selbstverständlich war….
    Alles Liebe Brig
    http://brigwords.com/2020/04/03/wahr-um-wahrheit/

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Michaela,
    Ich finde mich in so vielen Deiner Worte wieder.
    Wie alle sollten diese Krise nutzen uns auf das Positive in unserem Leben zu konzentrieren, jetzt nach 9 Monaten , vielen Tiefs, aber auch vielen glücklichen Momenten, viel Zeit zum nachdenken und fühlen, wird einem vieles auch immer klarer, wer und was wichtig ganz besonders.
    Und ich bin sehr dankbar, für meine Familie, meine beiden zauberhaften Töchter, wirklich tolle Freunde und Menschen in meinem Leben, meinem schönen Zuhause, gutes Essen, Sonne, Lachen, weinen zu können.
    Ich freue mich hoffentlich bald wieder tanzen zu können, sich knuddeln zu können auf offener Straße, sich frei treffen zu können, Kultur wieder erleben zu können…….
    Aber am Ende wird es gut.
    Ich danke Dir 💞

    Gefällt 1 Person

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