Dis-Tanz in den Mai

2007 – Ein Rückblick

Vor wenigen Wochen bin ich 26 Jahre alt geworden, meine Tochter kommt nach den Sommerferien in die 2. Klasse. Wer kurz nach der Volljährigkeit Mama wird hat in den Mitzwanzigern – feiertechnisch – noch nicht all zu viel erlebt.

Entsprechend aufgeregt betrete ich im Sommer 2007 das Füchschen-Zelt auf der Düsseldorfer Rheinkirmes. „Betreten“ bedeutete von den Massen verschluckt und mit hineingesogen zu werden. Mindestens 35 Grad Hitze, ein intensiver Schweißgeruch und Zigarettenqualm stehen im Raum. Um mich herum sind so unglaublich viele Menschen, dass ich kaum eine Chance habe auch nur einen Schritt selbst zu bestimmen. Innerhalb weniger Minuten landet der erste Bierschwall auf meinem, stundenlang sorgfältig ausgewählten, Party-Outfit.

Nun verstehe ich warum mir geraten wurde keine offenen Schuhe zu tragen, denn ich trete in die ersten Scherben. Ich habe es meiner starken Begleitung zu verdanken, dass ich tiefenentspannt bleibe. Während ich nichts und niemanden kenne, werden wir dennoch vom gefühlt gesamten Zelt begrüßt, innerhalb weniger Stunden kenne ich halb Düsseldorf.

Am Ende des Abends stehe ich oben beim DJ, der mich dorthin einlud. „Jetzt geht’s los“ grinst er mich an und lässt „For you“ laufen. Was ich in den folgenden Jahren als selbstverständlich ansehen werde, versetzt mich heute – im Sommer 2007 – in absolute Ekstase. Die Massen gehen unfassbar auf dieses Lied ab. Das gesamte Zelt bebt. Es liegt eine Unbeschwertheit und Tanzekstase in der Luft, die nicht zu beschreiben ist. Jede*r Einzelne – ohne Ausnahme – tanzt und springt im gleichen Takt. Ich fühle mich Eins mit all den anderen

Und bin einfach nur glücklich.

2021

Gestern Abend saß ich mit meinem Sohn auf der Couch. Wir schalteten die Nachrichten ein und unterhielten uns über die angesprochenen Themen.

Über Corona. Sohnemann freut sich, dass BioNtech für 12-Jährige zugelassen wird. Er möchte sich impfen lassen. „Mama, lieber soll es mir zwei Tage schlecht gehen, dafür muss ich keine Sorge haben ein Long-Covid-Patient zu werden.“. Ich schlucke und frage mich, ob ich mit knapp 13 auch so reflektiert mit wichtigen Themen umgegangen bin.

Über Metzelder. „Tja, wenn das ein Obdachloser wäre, hätte man ihn hart bestraft“, sagt mein Sohn. Das Obdachlose in der Regel keinen Laptop haben, lasse ich unkommentiert. Denn ich weiß was er meint und gebe ihm absolut recht.

Über die vielen Toten durch die Massenpanik in Israel. Es bestürzt uns beide sehr. Ich erzähle ihm vom Unglück bei der Loveparade 2010. Daran könne er sich gar nicht erinnern, sagt Sohnemann. „Kein Wunder, Schatz. Das war 2010, da warst du gerade einmal 2 Jahre alt.“

Nachhallerinnerungen

Ich bin immer wieder fasziniert davon welch gute Gespräche ich mit meinem Sohn führen kann. Inwieweit das mit uns als Eltern zu hat (auf den Kopf gefallen sind wir beide nicht und wir haben mit den Kindern immer normal gesprochen) soll jetzt nicht das Thema sein.

Ebenso fasziniert mich, wie man von „Hölzchen auf Stöckchen“ kommen kann.

Sohnemann möchte mehr über das Unglück bei der Loveparade erfahren, wie es dazu kam und warum. Ich erzähle ihm kurz davon und erkläre, dass sich seither in Deutschland einiges, hinsichtlich vorher vernachlässigter Sicherheitskonzepte bei Großveranstaltungen, geändert habe. Und ich erzähle ihm wie es früher bei Partys war, zum Beispiel im Füchsen-Zelt auf der Kirmes.

Und seither kann ich an nichts anderes mehr denken.

Ein Flashback ist ein psychologisches Phänomen, welches durch einen Schlüsselreiz hervorgerufen wird. Die betroffene Person hat dann ein plötzliches, für gewöhnlich kraftvolles Wiedererleben eines vergangenen Erlebnisses oder früherer Gefühlszustände.

Quelle Wikipedia – Artikel Flashback

Die Macht der Musik

In der Psychologie ist der Begriff des „Flashbacks“ tendenziell negativ belastet. Üblicherweise beschreibt er ein Symptom einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Ausgelöst durch einen Schlüsselreiz, springt der Patient von einer Sekunde zur nächsten in die Situation, die bei ihm – oder ihr – das Trauma ausgelöst hat. Auch wenn ich kein Patient im klassischen Sinne bin – ich kenne solche Auslöser. Im Negativen – Gott sei Dank auch im Positiven.

Dieses Lied „For You“ von den Hamburger DiscoBoys schafft es schon seit Stunden – in der Dauerschleife laufend – mir einen fantastischen Flashback zu bescheren.

Und seither kann ich an nichts anderes mehr denken. Und bin einfach nur glücklich.

Ich wünsche Euch einen schönen 1. Mai!

Eure Michaela W. aus D.

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